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Internetten im Urlaub!

Wie ja einige wissen, habe ich in meinem letzten Urlaub ausprobiert, wie weit die in der letzten Zeit so gepriesene mobile Kommunikationstechnik wirklich ist – und inwiefern man den Versprechungen von der ‘großen mobilen Freiheit’ wirklich Glauben schenken darf. Dazu habe ich versucht, von einem Segelboot in der Adria aus ein Reisetagebuch zu führen und täglich zu aktualisieren.

Ich weiß jetzt: es ist prinzipiell möglich, jedoch mit Schwierigkeiten verbunden.

Das erste Hindernis ist für den Normalverbraucher sicherlich der Preis der nötigen Gerätschaften – Notebook, Digitalkamera mit genügend Speichervolomen, Ersatz-Akkus für Kamera und Laptop sowie ein datenfähiges Handy (Nokia 6210 mit Datenkabel o.ä.) sind als Grundausrüstung nötig.

Das zweite Hindernis sind die geringen Verbindungsgeschwindigkeiten, die mit einem derzeitigen Standard-Handy-Internetzugang zu erreichen sind. 9,6 kBit sind halt gerade mal 20% der Geschwindigkeit, die man als Modemnutzer gewohnt ist – und wenn man Breitbandzugänge wie ADSL oder Chello daheim gewohnt ist, ist man überhaupt versucht, das ganze abzublasen und lieber eine Brieftaube mit einer Diskette loszuschicken.

(Ähnliche Überlegnungen der scherzhaften Art gibts ja – siehe ‘Die Baudrate eines Bernhardiners’)

Das dritte Hindernis – und das war auf dem Segelboot ein wesentliches – sind die zu geringen Akkulaufzeiten der Geräte. Es kam oft vor, daß wir in Häfen anlegten, in denen es nicht möglich war, das Boot und damit die Ladegeräte von Handy, Laptop und Kamera an 220 V anzuschließen. Und mit dem Standard-Akku schafft die IXUS-Kamera gerade mal 40 Bilder im Mischbetrieb (mit/ohne Blitz/Zoom). Das Notebook, ein Acer 525TX, hält drei Stunden durch, dann muß es an die Ladestation. Und auch das Handy hält nicht lange vor, der Datentransfer in Gebieten mit nicht gerade berauschender Netzqualität saugt das Ding äusserst rasch aus.

Was mich angenehm überraschte, war die Tatsache, daß ich praktisch überall (auch in scheinbar menschenleeren Gebieten auf irgendwelchen Winz-Inseln der Kornaten) eine Netzverbindung herstellen konnte. Manchmal waren zwar mehrere Einwahlversuche nötig, aber funktioniert hats immer. Auch die Geschwindigkeit bewegte sich die meiste Zeit im oberen Bereich (sofern man bei 9,6 kBit überhaupt von Geschwindigkeit sprechen kann).

Das dicke Ende kommt jedoch mit der nächsten Telefonrechnung. Laut ONE Cost Control sind 5.624,69 ATS an Roaminggebühren (also Gesprächsgebühren in ausländischen Netzen) angefallen. Selbst bei hoch angesetzten 40 Minuten pro Tag Telefonbenutzung ergibt sich daraus ein Minutenpreis von mehr als ATS 20.-

Momentan kann ich daraus nur folgendes Fazit ziehen: Nur weil das Ganze prinzipiell möglich ist, kann man nicht davon ausgehen, daß der mobile Internetzugang in nächster Zeit zum praktischen Allgemeingut wie etwa das mobile Telefonieren werden wird. Daran werden auch die in nächster Zukunft zu erwartenden UMTS-Hochgeschwindigkeitsnetze nicht viel ändern können. Wie ich ja schon in einem Artikel im alten Weblog kurz nach der UMTS-Auktion in Österreich errechnet habe, kämen auf jeden potentiellen Nutzer etwa ATS 570.- monatliche Kosten, damit alleine in der damals prognostizierten Amortisationszeit das an UMSATZ eingefahren werden kann, was die Lizenzen und die Infrastruktur an Einstandskosten verursacht haben – alles allerdings noch ohne Wartungs- und Betriebskosten gerechnet!

Vor allem bei größeren Datenmengen wird der mobile Traum unbezahlbar – bei ONE etwa sind beim derzeit aktuellen Hochgeschwindigkeitszugang GPRS 10 MB Transfervolumen pro Monat frei, jedes weitere MB kostet ATS 14.- (!!!!)
Das ergibt bei ATS 99.- Grundentgelt einen hochgerechneten Ein-Gigabyte-Preis von ATS 14.295.-
Faierweise muß man sagen, daß auch A1 ganz schön zulangt – dort kommen nämlich noch Minutenentgelte auch dazu. Bei 30-Sekunden-Takt und Minutenpreisen von ATS 0,49.- bis ATS 1,99.- kommt da auch ganz schön was zusammen, obwohl 50 MB frei sind und jedes weitere MB “nur” mehr ATS 6.- kostet.
Ich will da jedenfalls nicht in der Nähe sein, wenn der Vater eines jugendlichen Internet-Junkies die erste Telefonrechnung bekommt.

Es bleibt jedenfalls zu hoffen, daß sich die Sache preislich ähnlich entwickelt wie stationäre Internetzugänge. Sonst platzt die Seifenblase der mobilen Revolution ganz schnell…

(Update 28.4.2021: zum Jahrestag des Segeltörns gabs dann ebenfalls einen Artikel hier am Blog!)

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Ernst Michalek
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